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Familien- und Ahnenforschung

Von Dr. Franz-Josef Burghardt

 

Dr. Franz Josef BurghardtDr. Franz Josef Burghardt, geb. 1952, ist durch zahlreiche Beiträge über Familienforschung in Funk, Fernsehen und im Internet bekannt. Als Dozent für Geschichte leitete er bereits über 150 Seminare zur Genealogie. Er kennt die Fragen von Einsteigern und Fortgeschrittenen zu diesem Thema ebenso wie die Anforderungen, die aus wissenschaftlicher Sicht an die Familienforschung gestellt werden. Er ist einer der erfahrensten Familienforscher in Deutschland und Autor des Buches „Familienforschung", das als deutsches Standardwerk zu diesem Thema gilt.

Franz Josef Burghardt: Familienforschung. Verlag Karl Thomas,

5. Auflage, 208 Seiten, broschiert, € 9,00

 

Mehr als 150.000 Familienforscher in Deutschland wollen mehr wissen über ihre Herkunft, über die Bedeutung ihres Namens und über mögliche Verwandte in Europa und Übersee. Viele dieser Hobbyforscher sind in genealogischen Vereinen organisiert, die Hilfestellungen anbieten. Eine Übersicht der Vereine finden Sie unter wiki-de.genealogy.net/Portal:Vereine. Der Einstieg in die spannende Suche nach den eigenen Wurzeln ist einfach: Zunächst einmal sollte alles gesammelt und aufgeschrieben werden, was in der eigenen Familie, bei Freunden und Nachbarn über die Vorfahren noch in Erfahrung gebracht werden kann. Bei der Lokalisierung eines Ortes helfen die Ortsverzeichnisse „Müllers Ortsbuch“ bei ancestry.de und GOV bei genealogienetz.de.

 

Kirchenbücher und andere Quellen

Buch

Danach geht es weiter in Archiven oder manchmal auch im Internet. Dabei muss man in Deutschland beachten, dass es nicht zulässig ist, die zivilen Register (Personenstandsregister) nach 1875 zu benutzen. Daher ist man auf die Kirchenbücher angewiesen. Nur im Rheinland gibt es für Familienforscher einsehbare Zivilstandsregister aus der Zeit 1798/1810 bis 1875. Kirchenbücher beginnen unterschiedlich früh, manchmal schon ab etwa 1560, teilweise aber erst ab 1650, 1770 oder noch später. Die alten Kirchenbücher befinden sich heute vielfach nicht mehr in den Pfarrämtern, sondern in Zentralarchiven der katholischen Bistümer oder evangelischen Landeskirchen. Fast alle Kirchenbücher sind aber auch verfilmt und können bei den Mormonenfilialen in der ganzen Welt eingesehen werden. Nähere Auskunft darüber und über den „Internationalen Genealogischen Index“, in dem schon viele Kirchenbücher alphabetisch erfasst sind, gibt die Webseite der Mormonen familysearch.org. Digitalisierte deutsche Kirchenbücher finden sie bei ancestry.de.

 

Neben den Kirchenbüchern gibt es natürlich noch viele andere Quellen, die sich in den Staats-archiven der deutschen Bundesländer befinden. Dort liegen Gerichtsakten, Einwohnerlisten, Steuerlisten, Pachtverträge, Musterungslisten, Ratsprotokolle, Leichenpredigten und vieles mehr, so dass man manches über die Vorfahren erfahren kann, was nicht in den Kirchenbüchern steht, wo man fast nur die Angaben über Geburt/Taufe, Heirat und Tod/Beerdigung findet, selten einmal den Beruf.

 

Adelige Vorfahren?

Mehr und mehr kann man per Internet in den Beständen der Staatsarchive recherchieren, aber das ist sehr mühsam. Der Grund dafür ist die historisch bedingte Zersplitterung Deutschlands vor 1871. Vor der Gründung des „Deutschen Reiches“ mit der Hauptstadt Berlin gab es nämlich zahlreiche kleine und große Territorien, u. a. Kurfürstentümer, Herzogtümer, Grafschaften, Bistümer und Reichsstädte. Diese waren vor 1806 im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ mit dem Kaiser an der Spitze lose verbunden. Jedes Territorium hatte sein eigenes fürstliches Archiv, so dass man bei Forschungen immer wissen muss, in welchem Teritorium der Vorfahr lebte.

Besonders reizvoll wird die Ahnenforschung, wenn ein Vorfahr adlig war, was sehr häufig im 16. oder 17. Jahrhundert der Fall ist, als reiche Bürger oder angesehene Beamte gerne Frauen aus dem niederen Adel heirateten. Dann kann auf umfangreiche Aktenbestände und auf die Literatur über Adelsfamilien zugegriffen werden. Einen ersten Eindruck von diesen Möglichkeiten bietet die Seite familien- und ahnenforschung.de. Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie auf diese Weise feststellen, dass Sie ein Nachkomme von Kaiser Karl dem Großen (+ Aachen 814) sind.

In den Gebieten Mittel- und Osteuropas, aus denen die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden, liegen besondere Verhältnisse vor. Auskunft erhalten Sie aber durch die Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher (www.agoff.de) und durch das Buch „Wegweiser“ bei degener-verlag.de.

 

Namenslisten im Internet

Gute Hilfestellungen bieten neben den genealogischen Vereinen auch die Archivare der Städte und Gemeinden. Am besten ruft man vormittags in der Stadt- oder Gemeindeverwaltung an und lässt sich mit dem Archiv verbinden. Dort erfährt man auch, ob es Bücher zur Heimatge-schichte gibt, die oft umfangreiche Angaben zu den Familien vor Ort enthalten. Einige lokale Geschichts- und Heimatvereine haben schon umfangreiche Namenlisten aus den letzten Jahrhunderten ins Internet gestellt, z. B. in koeln-brueck.de/geschich.htm.

Überhaupt sollte man unnötige „Doppelforschung“ vermeiden. Die oben genannten genealo-gischen Vereine geben gerne Auskunft darüber, ob bereits Familienforschung in einer Gemeinde durchgeführt wurde oder ob sogar ein „Familienbuch“ vorliegt. Das ist die vollständige Auswertung eines alten Kirchenbuchs, bei dem alle genannten Personen nach Familien geordnet wurden. Einige Vereine haben ihre Mitgliederlisten schon ins Internet eingestellt, die Auskunft darüber geben, wo ein Vereinsmitglied schon geforscht hat.

Übrigens: Lassen Sie sich nicht von der alten Schrift oder von etwas Latein abschrecken. Daran ist noch kein Familienforscher gescheitert. Lesebeispiele und weitere Tipps zur Familien-forschung in Deutschland finden Sie in meinem Infocenter bei Ancestry unter www.ancestry.de/learn/learningcenters/default.aspx?section=Burghardt.