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„Wir werden ehrliche, arbeitsame Chilenen sein...“.

Deutsche Einwanderer in Chile

Unter den heute 15 Millionen Einwohnern Chiles leben rund 200.000 Nachfahren deutscher Einwanderer. Der erste von ihnen soll der Artillerieoffizier und Abenteurer Barthel Blümlein aus Nürnberg gewesen sein, der mit den spanischen Eroberern kam und die Tochter eines Aurakanerhäuptlings heiratete. Nachdem Chile seine Unabhängigkeit errungen hatte, eröffnete 1822 das Hamburger Handelshaus „Schütte, Post u. Co.“ die erste deutsche Niederlassung in Valparaiso. 1838 gründeten deutsche Kaufleute in der Hafenstadt den ersten Deutschen Verein in Chile.

Deutsche Bauern am Lllanquihue-See

Haus bei FrutillarHaus bei Frutillar am Lllanquihue-See

Zum wichtigsten Siedlungsgebiet der Deutschen wurde der klimatisch gemäßigte Süden des Landes, das Gebiet um den Lllanquihue-See und Orte wie Valdivia, Osorno und Puerto Montt. Der Seemann und Forscher Bernhard Philippi war 1831 bei einer Weltumseglung in Valparaiso vor Anker gegangen. Chile begeisterte ihn so sehr, dass er ein paar Jahre später zurückkehrte. 1842 erkundete Philippi die Region um den am Fuße des Vulkans Osorno gelegenen Lllanquihue-See, von dessen Existenz ihm Eingeborene erzählt hatten. Für sie galt der „Teufelssee“ seit einem Vulkanausbruch, der viele Opfer gefordert hatte, als verrufen. Der Pionier empfahl das Gebiet trotzdem für die Besiedlung und wurde von Chiles Regierung mit der Anwerbung von deutschen Auswanderern beauftragt. Nach Brasilien und Venezuela war Chile damit der dritte südamerikanische Staat, der Deutsche einlud, unerschlossene Gebiete wie die „Frontera“, Chiles südliche Grenzregion, urbar zu machen.

Die bäuerlichen Kolonisten begannen 1852 den sumpfigen Urwald rund um den See zu roden und nahmen das bis dahin unwegsame und kaum besiedelte Land unter den Pflug. Angebaut wurde vor allem Getreide. Saatgut und Zuchtvieh führte man zum Teil aus Deutschland ein. Zu Mittelpunkten der verstreut liegenden Höfe der „Seebauern“ am Lllanquihue entwickelten sich die Orte Frutillar und Puerto Varas. In Frutillar entstanden das erste Handelshaus der Seekolonie, ein deutscher Verein, eine deutsche Schule und eine protestantische Pfarre.

Karl Anwandter in Valdivia

Am 13. November 1850 traf das deutsche Auswandererschiff „Hermann“ im Hafen von Valdivia ein. Der Wortführer der Ankömmlinge hieß Karl Anwandter und stammte aus Luckenwalde südlich von Berlin. Anwandter war Apotheker, Bürgermeister von Calau in der Niederlausitz und preußischer Landtagsabgeordneter. Er gehörte zu den „1848ern“, die nach der gescheiterten Revolution in Deutschland ein Exil suchten. Chile war zu dieser Zeit der einzige südamerikanische Staat, der ihnen die gewünschten Rechte garantierte. Im Gegenzug sicherten die Deutschen ihrer neuen Heimat unbedingte Loyalität zu. Berühmt wurde der „Eid der deutschen Einwanderer“, das „Anwandter-Gelöbnis“:

„Wir werden ehrliche, arbeitsame Chilenen sein, wie nur der Beste unter ihnen es sein kann. Wir werden unser Adoptivvaterland mit der Entschlossenheit und Tatkraft eines Mannes verteidigen, der sein Vaterland, seine Familie und seine Interessen verteidigt.“

Die Deutschen fanden in Valdivia schnell Beschäftigung als Zimmerleute, Tischler, Schmiede, Schuhmacher, Bäcker und Schneider. Anwandter selbst eröffnete wieder eine Apotheke. Außerdem gründete er eine Brauerei, die zur größten und berühmtesten in Südchile werden sollte. Valdivia, die deutscheste Stadt Chiles, entwickelte sich zu einer blühenden Handels- und Industriestadt. Erst nach der Eröffnung des Panamakanals, der den Handel Chiles mit Europa empfindlich verringerte, ging es abwärts. 1964 wurde die Stadt von einem verheerenden Erdbeben erschüttert. Anwandters „Weißes Haus“ blieb stehen und ist heute ein Museum.

Über den Süden hinaus

Der wachsende Wohlstand vieler Deutschchilenen und der Bau der Nord-Süd-Eisenbahn von Santiago nach Puerto Montt erleichterten die Verbindungen nach Mittelchile und in die Hauptstadt. 1896 immatrikulierten sich die ersten deutschen Studenten an der Universität in Santiago, im gleichen Jahr wurde die bis heute bestehende deutsche Burschenschaft gegründet. Deutsche Professoren begannen ihre Tätigkeit an chilenischen Hochschulen. Der im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 ausgezeichnete Artillerieoffizier und spätere General Emil Körner wurde nach Santiago eingeladen, um das chilenische Heer nach deutschem Vorbild aufzubauen. General Körner rief die chilenische Kriegsakademie ins Leben, an der auch Offiziere aus den Nachbarländern ausgebildet werden. In vielen Städten entstanden deutsche Gesangs- , Frauen- und Turnvereine, Freiwillige Feuerwehren und Chöre. 1924 folgte der „Deutsche Andenverein“, der enge Kontakte zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein pflegt. Seit 1938 erscheint die bis heute bestehende deutsche Zeitschrift „Condor“.

Bis heute existieren eine große Anzahl von deutschen Vereinen und Einrichtungen. Diese sind jedoch teilweise spanischsprachig. Evangelische Gottesdienste werden in den Kirchen der „Seengemeinde“ am Llanquihue immer noch teilweise auf Deutsch abgehalten, stoßen aber auf Sprachprobleme unter der Jugend. Deutschsprachige Radioprogramme unterstützen die Bemühungen um die Pflege der deutschen Sprache. Der Deutsch-Chilenische Bund“ (DCB) ist die Dachorganisation der Deutschchilenen, das „Emil-Held-Archiv“ in Santiago betreibt historische Forschungen zur Geschichte der Deutschen. Die traditionsreichen Deutschen Schulen nehmen eine Spitzenstellung im chilenischen Schulsystem ein und werden landesweit von ca. 15.000 Schülern besucht. Es bestehen zahlreiche Kontakte nach Deutschland, viele Schüler der deutschen Schulen gehen im Rahmen des Schüleraustauschs oder zum Studium nach Deutschland.