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Deutsch-Amerikaner marschieren in die Zukunft

Von Lars Halter

KonfettiSteuben Parade in New York im Konfetti-Regen

Jedes Jahr im September ziehen tausende von Deutsch-Amerikanern über die Fifth Avenue in New York. Die German-American Steuben Parade hat inzwischen schon ihr 50-jähriges Jubiläum hinter sich. Doch war beim letzten Mal vieles anders, vieles neu – die Großveranstaltung ist auf dem Weg in eine neue, junge Zukunft.

Nach einem Führungswechsel vor drei Jahren, der einen Schwung junger Deutsch-Amerikaner an die Spitze der Organisation gebracht hat, stellte sich die Parade in diesem Jahr so offen wie nie zuvor ihren drei selbst gestellten Aufgaben: Die deutschen Traditionen von Millionen von Einwanderern aufrechtzuerhalten, an die historischen Verdienste der Deutsch-Amerikaner zu erinnern, und Deutschland zu repräsentieren.

In den ersten fünf Jahrzehnten hatte sich die Steuben Parade vor allem um ersteres gekümmert – mit großem Erfolg. Wenn es auch vorwiegend Lederhosen und Dirndl waren, die auf der Fifth Avenue auffielen, so mischten sich doch auch norddeutsche Hemden und Schwarzwälder Hüte, pommersche Trachten und Erinnerungen an die Gottschee bei. Das Ergebnis: Ein farbenprächtiger Umzug, der bei den Mitwirkenden Erinnerungen an die alte Heimat weckte und den Zuschauern etwas für’s Auge bot.

Baron von Steuben trifft George Washington

Auch an historische Deutsch-Amerikaner erinnerte die Parade: Auf einem Festwagen prangt seit Jahren ein Nachbau der Brooklyn Bridge, die von John Roebling aus Mühlhausen in Thüringen erbaut wurde. Ein Wagen zelebrierte das erste Treffen von Baron von Steuben mit George Washinton. Doch die meisten verdienten Einwanderer mussten sich mit weniger zufrieden geben. Carl Schurz und Franz Daniel Pastorius tauchten nur als Namensvettern für lokale Verbände der Steuben Society auf. Und Henry Steinway, Levi Strauss, John Astor, Thomas Nast und andere fanden gar nicht statt. An alle wichtigen Deutsch-Amerikaner zu erinnern, ist wohlgemerkt keine leichte Aufgabe… tausende haben das Land geprägt, seit vor vierhundert Jahren die ersten Siedler in Jamestown ihr Lager aufgeschlagen haben. Doch hat die Steuben Parade dieses Mandat, und sie kommt ihm langsam näher. Im Programm des diesjährigen „German-American Friendship Month“, der die Steuben Parade in New York umrahmt, tauchen neben Roebling und Steinway auch der Macy’s-Gründer Isidor Strauss auf, dazu Leonard Bernstein, die Baseball-Legenden „Babe“ Ruth und Lou Gehrig. Zudem werden zwei Ausflüge in das deutsch-amerikanische Leben vor hundert Jahren geboten, bei denen es unter kundiger Führung durch Yorkville und die Lower East Side geht, den beiden am stärksten von deutschen Einwanderern geprägten Wohnvierteln in Manhattan.

Empfang bei New Yorks Bürgermeister Bloomberg

BloombergEmpfang beim Bürgermeister

Doch der Blick auf die glorreiche Vergangenheit ist nur noch ein Teil der Steuben Parade. Mit zunehmendem Erfolg widmet man sich Gegenwart und Zukunft und einer vernünftigen Präsentation Deutschlands in den USA. Zeitgenössische Musik und Filme haben ihren Weg ins Programm gefunden, der Empfang mit dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg wurde von einem Münchner Jazz-Pianisten begleitet. Und auch ein Blick auf die Grand Marshals überrascht: Die Steuben Parade wurde in diesem Jahr von drei Deutsch-Amerikanern angeführt. Hollywood-Star Ralf Möller brachte ein wenig Glamour mit, und mit Duncan Niederauer war einer der Top-Manager des Landes mit dabei: Der Sohn eines Einwanderers aus Süddeutschland ist heute CEO der New York Stock Exchange, der wichtigsten Börse der Welt. Niederauer freute sich, als Businessman an der Parade teilnehmen zu können. Er nutzte die Gelegenheit, für die guten deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen zu werben.

Zahlreiche Unternehmen genießen diese seit Jahren, und einige der erfolgreichsten nutzen die Steuben Parade mittlerweile als Werbeplattform, darunter Mercedes-Benz, Bayer und die Deutsche Telekom. Die Unternehmen schätzen den frischen Wind bei der Parade. „Das Bankett am Vorabend war früher für unsere Mitarbeiter die Höchststrafe“, erinnert sich Mercedes-Finanzchef Norbert Litzkow, der heute gerne kommt. Dass der schlagerlastige Alleinunterhalter durch eine Big Band ausgetauscht wurde, hat dazu beigetragen; ebenso die Präsentation des Abends, die heute nicht mehr von selbstbewussten Vereinsmitgliedern gemacht wird, sondern von einer deutschstämmigen Fernsehmoderatorin, die sich beim TV-Sender Fox einen Namen gemacht hat. Doch es ist nicht nur ein netteres Bankett, dass die Wirtschaft interessiert – es sind die Deutsch-Amerikaner selbst. Deren Einkommen liegt über dem amerikanischen Durchschnitt, als Kunden sind sie daher eine bevorzugte Zielgruppe.

Kissinger klatschte begeistert mit

KissingerBotschafter K. Scharioth, H. Kissinger, General Chairman L. Halter

Mercedes-Benz präsentierte in diesem Jahr im Vorfeld des Banketts zwei neue Modelle. Nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Politik und Diplomatie schätzen den Wandel bei der Steuben Parade. Der deutsche Botschafter in Washington, Klaus Scharioth, ist jedes Jahr zu Gast, und Außenminister Frank-Walter Steinmeier schaffte es im vergangenen Jahr zwar nicht zum Termin, gab aber ein paar Tage später einen Empfang im New Yorker Hafen, den er spontan zum krönenden Abschluss des „German-American Friendship Month“ erklärte. Ein anderer Außenminister gab der Steuben Parade hingegen die Ehre: Dr. Henry Kissinger war zum Jubiläum im vergangenen Jahr Grand Marshal und genoss die Parade sichtlich. Bayerische und fränkische Trachtengruppen brachten den immer noch einflussreichen Politiker an seine Wurzeln zurück, die Musik ließ ihn begeistert mitklatschen, und zum Abschied ließ er sich von einer ganzen Riege Funkenmariechen „Bützsche“ geben – seine lippenstiftroten Wangen kommentierte er scherzhaft: „Das muss weg, bevor meine Frau mich sieht.“

Von politischer Seite kam in diesem Jahr Volker Hoff zur Steuben Parade, der Bundes- und Europaminister des Landes Hessen. Das Land war in diesem Jahr „Official Partner State“ der Parade und nutzte das Großereignis mit seinen bis zu 100 000 Besuchern zur Werbung. Auf vier Festwagen präsentierte man verschiedene Aspekte: das romantische Hessen mit seinen Schlössern am Rhein, das Wirken von Elvis Presley als G.I. in Bad Nauheim, und die Gebrüder Grimm aus Hanau, ohne deren Märchen die amerikanische Disney-Kultur um einige Attraktionen ärmer wäre. Den vierten Festwagen hatte Hessen der Berliner Luftbrücke gewidmet, deren Flugzeuge immerhin in Frankfurt abhoben. Das Thema „Airlift“ war ein Schwerpunkt der diesjährigen Parade, schließlich feierte man den 60. Jahrestag dieses heroischen Einsatzes, der die deutsch-amerikanische Freunschaft nach dem Zweiten Weltkrieg erst möglich machte. Der größte Held der Berliner Luftbrücke feierte in New York ebenfalls mit: Col. Gail Halvorsen, der „Candy Bomber“, ist ein weiterer Grand Marshal. Nach einem hektischen Jahr, in dem Halvorsen unter anderem die neue US-Botscaft in Berlin eingeweiht hat, von Bundeskanzlerin Angela Merkel geehrt und von unzähligen Fernsehsendern interviewt wurde, sah er die Steuben Parade als einen Höhepunkt, zu dem er die ganze Familie mitbrachte. „Als General Clay 1948 aus Berlin zurückkam, gab es für ihn eine Parade in New York“, erzählte er. „Sechzig Jahre später darf ich die Parade anführen. Das ist unglaublich, ich bin so dankbar.“ Am Tag vor dem Fest besuchte Halvorsen übrigens die Deutsche Schule in White Plains, um den Sechst- bis Zwölfklässlern über die Luftbrücke zu berichten. Für die Schüler ist das erlebte Geschichte, für die Steuben Parade eine weitere Aktion, die deutsch-amerikanische Freundschaft zu stärken und für die Zukunft lebendig zu halten.

Lars Halter ist ehrenamtlicher General Chairman der German-American Steuben Parade. Weitere Informationen zum größten Fest der Deutsch-Amerikaner gibt es unter www.germanparadenyc.org.